HA014 Klimaaktivismus in der Krise?

Nach einer viiiiiiiiieeeeel zu langen Sommerpause melde ich mich endlich wieder mit einer neuen Folge zurück!
Ich war zu Gast in der Sendung “Apfelbaumgespräche” des oberösterreichischen Mitmach-Fernsehsenders Dorf TV. In der Sendung habe ich mit den Aktivistinnen Bernhard und Clara darüber gesprochen wo die Klimagerechtigkeitsbewegung im Herbst 2020 steht.


Wenn euch der Audiomitschnitt nicht reicht, findet ihr hier die Videoaufzeichnung:
https://dorftv.at/video/34257

HA013 Zur Gewaltfrage

Am 25. Mai 2020 starb der schwarze US-Amerikaner George Floyd in Folge von massiver Polizeigewalt. Als Folge begann in den USA eine neue Protestwelle gegen Polizeigewalt und Rassismus, in der es zu Gewaltanwendungen von Seiten der Protestierenden kam.
Gerade über das Wochenende vom 26.05. – bis zum 31.05. wurde in den (Sozialen) Medien heftig darüber gestritten, ob diese Protestformen legitim sind oder nicht (z.B. nachzulesen auf Twitter unter #blacklivesmatter und #alllivesmatter).

Ich greife diese aktuelle und zugleich sehr alte Debatte auf, um die Gewaltfrage zu diskutieren. Hierbei beleuchte ich zwei Bereiche getrennt: 1) Bewertung von Protesten, an denen man nicht (unmittelbar) beteiligt ist; 2) Umgang mit Gewalt in der ‘eigenen’ Bewegungen.

Mir ist klar, dass dies ein sehr polarisierendes Thema ist, zu dem es sehr verschiedene Positionen gibt. Ich habe mich bemüht, meine Positionen gut zu begründen und nachvollziehbar zu machen. Eure Sichweise könnt ihr gerne als Kommentar unter der Folge posten oder an joschka@homo-activus.org mailen. Ich greife das dann gerne nächstes mal auf!

Videos und Texte

Buchempfehlungen

HA012 Wo steht die Klimagerechtigkeitsbewegung?

In dieser Folge befasse ich mich mit der Frage, wo die Klimagerechtigkeitsbewegung gerade steht und was das im Kontext der parallel laufenden Corona-Krise bedeutet.

Für meine Einschätzung stütze ich mich auf das Konzept des Movement Action Plans (MAP) nach Bill Moyer. Der Lebenszyklus einer erfolgreichen Bewegung besteht demnach klassischerweise aus 8 Phasen,. Die Protestbewegung ist während ihrer Stadien mit unterschiedlichem Ausmaß von öffentlicher Wahrnehmung (Linie 1); Öffentlichem Widerstand (Linie 2) und öffentlicher Unterstützung (Linie 3) konfrontiert. Der typische Verlauf sieht ist in der Grafik gut zu erkennen:

Movement Action Plan nach Bill Moyer

Denkt man die aktuelle Situation der Klimagerechtigkeitsbewegung mit der aktuellen Koronakrise zusammen, öffnet sich der Blick für strategische Ausrichtungen des weiteren Vorgehens in der Krise. Für künftige Entscheidungen hilft auch eine Reflektion der vergangen Wochen und Monate, da uns COVID-19 womöglich noch eine ganze Weile begleiten wird.

Weiterführende Lektüre zu diese Folge:

Materialien:

HA011 Words matter

Mit Hannah Smith vom Public Interested Research Center (PIRC) spreche ich über die Bedeutung von Storytelling und Framing für sozialen Wandel. Dabei besprechen, wir was Framing bedeutet, warum Storytelling wichtig ist und wie es für unsere aktivistische Arbeit genutzt werden kann. Unten habe ich auch kostenfreie Arbeitsmaterialien von PIRC verlinkt, die bei der eigenen Kampagnenarbeit helfen können.
Das Interview entstand Ende 2019 während meines Besuchs des katalansichen Trainingscenters Ulex.

Da das Interview auf Englisch geführt wurde, habe ich das Framingkonzept hier nochmal in groben Zügen auf Deutsch dargelegt:

Framing meint den Prozess von Verknüpfung von Wörtern mit Bedeutungen. Diese Verknüpfungen können dabei von Mensch zu Mensch verschieden sein. So denken beim Stichwort Auto unterschiedliche Menschen wahrscheinlich an Verschiedenes. Für manche ist ein Auto ein Statussymbol, während es für andere womöglich ein Gefühl von Freiheit verkörpert. Wieder andere sehen darin eine Gefahr für die Umwelt. Sobald das Stichwort ‘Auto’ fällt, wird also von verschiedenen Menschen verschiedenes damit assoziiert und verschiedene Gefühle abgerufen.
Während diese Bedeutungsrahmen (Frames) von Person zu Person sehr verschieden sein können, gibt gesamtgesellschaftlich durchaus Assoziationen die in Gewissem Maße verallgemeinerbar sind. So dürfte beispielsweise das Wort ‘Krise’ für die Mehrheit der Menschen etwas bedrohliches bedeuten, das abgewandt werden sollte. Ein Wort wie ‘Wärme’ hat in unserem Sprachgebrauch dahingegen überwiegend positive Bedeutungen: ‘Wärme’ bedeutet in der Regel Schutz, Wohlbefinden und wird ausschließlich positiv besetzt (bspw. wird jemandem warm ums Herz). Ein bewusster Umgang mit diesen Frames bedeutet, darauf zu achten, welche Assoziationen und Gefühle Wörter hervorrufen können: Während ‘Klimaerwärmung’ ein eher positives Bild erzeugt (z.B.: sonnigeres Wetter), assoziieren wir mit dem Wort ‘Klimakrise’ eindeutig etwas, vor dem wir uns schützen sollten. Dabei gilt auch zu beachten, dass bei Menschen die unterbewusst erzeugten Gefühle in aller Regel mehr Einfluss ausüben, als der kommunizierte Inhalt.
Somit gilt: Words matter. Gerade bei Presseaussendungen, Bannern, Reden etc. macht es Sinn, auf die Wortwahl zu achten. Wörter, die Gefühle hervorrufen, die unserer inhaltlichen Message widersprechen, erschweren es uns zusätzlich, Informationen zu verbreiten.
Gerade im Klimakontext gibt es hierzu bereits gute Hilfestellungen, wie beispielsese das unten verlinkte Energie-Handbuch, indem konkrete Framingideen ausgearbeitet wurden. Für alle die noch tiefer einsteigen möchten, habe ich außerdem noch zwei weitere Artikel verlinkt.

Links und Materialien:

HA010 Engagieren ohne auszubrennen

Anschließend an HA09 geht es auch in dieser Folge um Psychische Gesundheit im Aktivismus. Dazu spreche ich mit Julia Reitmeier, Mitglied des Orga-Teams der Mental Health Awareness Week Vienna.
Im Gegensatz zu dem biographisch-persönlichen Zugang im Gespräch mit Martina Trepczyk, nehmen wir hier eine analytische Perspektive ein.

Was ist Mental Health eigentlich? Was genau bedeuten Stress, Trauma und Burnout? Wie begegnen uns diese Themen in aktivistischer Arbeitspraxis und wie können wir sinnvoll damit umgehen? Diesen und weiteren Fragen gehen wir nach.

Im Iso-Look 😉

Eine Auseinandersetzung mit diesen Themenaspekten halte ich für zentral, da wir in unserem politischen Engagement soziale Transformation anstreben. Da diese Veränderungen (leider) lang und hart erkämpft werden müssen, gilt es zu Fragen, wie die eigene (psychische) Gesundheit erhalten werden kann. Das ist eine Grundvoraussetzung dafür, sich nicht irgendwann unfreiwillig vom Aktivismus zurückzuziehen oder sich deprimiert abzuwenden. Wenn Aktivismus also fernab von jugendlichem Aufbegehren gedacht werden soll, müssen wir eine langfristige Perspektive einnehmen.
Dazu sollte bedacht werden, wie man sich selbst gesund hält und an und mit den psychischen Herausforderungen wächst. Da es uns unterstützt, unsere politischen Kämpfe über viele Jahre führen zu können, ist ein rücksichtsvoller Umgang mit uns selbst und anderen direkt an unsere Ziele geknüpft. Die Bewahrung (psychischer) Gesundheit ist also nicht auch wichtig, sondern ein Fundament, das Kampagnen, Aktionen etc. trägt.
Timo Luthmann spricht in diesem Zusammenhang von ‘Nachhaltigem Aktivismus‘. Sein Ansatz ist stark in das Gespräch mit Julia eingeflossen und ich hoffe, damit zum Nachdenken und zur Selbstreflektion anregen zu können.

Allgemeine Anlaufstellen falls dir nicht gut geht:

Zum Weiterlesen:


Mental Health Awareness Week Vienna (18.05. – 22.05.2020)

HA009 Aktivismus: Zwischen Stress und Lebenssinn

Mit der Filmemacherin Martina Trepczyk spreche ich über ihre Biografie, ihre (politische) Arbeit im Filmbusiness, und die persönlichen Auswirkungen eines langfristigen und intensiven politischen Engagements.

Martinas Berichte über ihre Arbeit zeigen, wie vielseitig Aktivismus sein kann. Außerdem kommen wir im Gespräch darauf, welche Folgen ein unermüdlicher Einsatz für die psychische Gesundheit haben kann.
Im Gespräch geht Martina äußerst offen mit ihren persönlichen Erfahrungen zu diesen Themenaspekten um. Aus diesem Grund möchte ich hier eine

TRIGGERWARNUNG

für diejenigen aussprechen, die selbst mit Depressionen, Burnout und Eco-anxiety etc. kämpfen. Es mag ratsam sein, wenn du dich nicht ausreichend psychisch und emotional stabil fühlst, das Interview bei der Kapitelmarke ‘Die psychischen Belastungen ihrer (aktivistischen) Arbeit’ (Zeitmarker 00:39:02) zu beenden.

Die Veröffentlichung dieses Gesprächs liegt mehr persönlich sehr am Herzen, da ich denke, dass die hier verhandelte Problematik viele Aktivist*innen betrifft und gefährdet. Dies mag mit Empathie zusammenhängen. Sie scheint eine wichtige Rolle für aktivistische Arbeit zu spielen: Empathie motiviert, spornt an und setzt damit Energie für politisches Handeln frei. Gleichzeitig sind empathische Menschen auch in größerem Maße empfindsam und verletzlich gegenüber den Ungerechtigkeiten in dieser Welt, welche schnell einen unermüdlichen Arbeitseinsatz für Veränderung nach sich ziehen. Hierdurch drohen Mental Health-Gefahren, wie Depression oder Burnout.
Unsere politischen Kämpfe können aber nur erfolgreich sein, wenn wir sie langfristig austragen können. Dazu müssen wir anerkennen, dass wir auch uns selbst schonen müssen, um nicht auszubrennen und auf der Strecke zu bleiben. In diesem Kontext gilt es, auch eigene Maßstäbe an sich und andere kritisch zu hinterfragen. Die gesamte Problematik kann ich in diesem einen Beitrag freilich nicht vollumfassend behandeln. Ich sehe dieses Gespräch daher als kleinen Anstoß zum nachdenken. Wer tiefer in das Thema eintauchen möchte, wird bspw. in dem unten empfohlenen Buch von Timo Luthmann fündig.

Links und Empfehlungen:

HA008 Sozial distanziert, aber aktiv?!

Seit einigen Tagen ist das öffentliche Leben in weiten Teilen Europas zum erliegen gekommen. Aufgrund der aktuellen SARS-CoV-2 Pandemie gilt in vielen Ländern in und auch außerhalb Europas ‘Social Distancing’.

Für politischen Aktivismus, der von einer Protestkultur im öffentlichen Raum, öffentlichen Informationsveranstaltungen und dem physischen Treffen von Aktivist*innen lebt, stellt dies ein Problem dar.
Da die üblichen Wege aktuell nicht gangbar sind, müssen Alternativen her. So rufen die Fridays for Future seid über 2 Wochen zu Netzstreiks auf. Gleichzeitig werden diverse Gruppentreffen durch Video-Calls ersetzt.

Aktivismus verlagert sich also notgedrungener Maßen ins Internet. Doch was für Möglichkeiten für Aktivismus im Netz gibt es denn überhaupt? Was sind die Möglichkeiten und was die Grenzen? Macht Online-Aktivismus überhaupt Sinn?
Diesen und weiteren Aspekten spüre ich in der aktuellen HA-Folge nach. Ich greife dabei verschiedene Protestformen auf und stelle dar, warum Online-Aktivismus meiner Meinung nach eine wichtige Komponente im Kampf für eine solidarische Gesellschaft darstellt.

Die Folge beende ich mit einem persönlichen Statement und Reflektionen zur aktuellen Corona-Krise. Das ist ein Versuch meine Gedanken in Bezug auf die politische und aktivistische Bedeutung der aktuellen Situation zu ordnen. Dies stellt bestenfalls einen Zwischenstand meiner aktuellen Gedanken dar, da sich jeden Tag viel verändert und es mir in diesem Infostrudel schwer fällt, klare Einschätzungen aufzustellen. Sofern ihr hier Ergänzungen, Anregungen und Widersprüche habt, schickt mir diese gern an joschka@homo-activus.org. Über eine Diskussion würde ich mich sehr freuen!

Links

HA007 HA-Einblick: Die 'Box Girls Kenya'

Im Frauen-Boxgym ‘Box Girls Kenya’ in Nairobi werden Mädchen und junge Frauen durch Boxen empowered. Das durch das Training gestärkte Selbstbewusstsein hilft auch, die patriachalen Gesellschaftsstrukturen in Frage zu stellen. Das Boxtraining stellt somit einen Entrypoint für Selbstermächtigung und Politisierung dar.

Die Nahbetrachtung zeigt, wie sich aus diesem Beispiel viel für die eigene politische Arbeit entdecken lässt. Ausgehend von ‘Box Girls Kenya’ stelle ich außerdem die Methode des Public Narratives nach Marshall Ganz vor. Diese Führungspraxis nutzt Narrative um Gemeinschaften aufzubauen, gemeinsame Motivationen ausfindig zu machen und Menschen zu mobilisieren.

Zum Nachlesen und weitergucken:

HA-Einblick ist eine Serie innerhalb von Homo Activus. Dabei werden verschiedene Proteste vorgestellt und genauer analysiert. Dadurch werden Erfahrungen und Einsichten von Protesten aus aller Welt geteilt, um immer wieder neu angewandt werden zu können.
Mit diesem Vorgehen adaptiere ich die Konzepte der großartigen Bücher Beautiful Trouble und Beautiful Rising für mein Podcastformat.

HA006 Wer oder was ist 'System Change'?

Ich habe mich mit Iris Frey getroffen. Iris war daran beteiligt, die österreichische Klimagerechtigkeitsbewegung ‘System Change not Climate Change’ aus der Taufe zu heben.

Iris und ich in Bestauflösung!

Im Gespräch erzählt Iris, wie es dazu kam, wofür System Change steht und weshalb die Bewegung nach wie vor unverzichtbar ist.

Außerdem thematisieren wir, was ein Wandel des großen Ganzen für aktivistische Arbeit bedeutet; Stichwort Nachhaltiger Aktivismus!

Zum Nachschlagen: