HA010 Engagieren ohne auszubrennen

Anschließend an HA09 geht es auch in dieser Folge um Psychische Gesundheit im Aktivismus. Dazu spreche ich mit Julia Reitmeier, Mitglied des Orga-Teams der Mental Health Awareness Week Vienna.
Im Gegensatz zu dem biographisch-persönlichen Zugang im Gespräch mit Martina Trepczyk, nehmen wir hier eine analytische Perspektive ein.

Was ist Mental Health eigentlich? Was genau bedeuten Stress, Trauma und Burnout? Wie begegnen uns diese Themen in aktivistischer Arbeitspraxis und wie können wir sinnvoll damit umgehen? Diesen und weiteren Fragen gehen wir nach.

Im Iso-Look 😉

Eine Auseinandersetzung mit diesen Themenaspekten halte ich für zentral, da wir in unserem politischen Engagement soziale Transformation anstreben. Da diese Veränderungen (leider) lang und hart erkämpft werden müssen, gilt es zu Fragen, wie die eigene (psychische) Gesundheit erhalten werden kann. Das ist eine Grundvoraussetzung dafür, sich nicht irgendwann unfreiwillig vom Aktivismus zurückzuziehen oder sich deprimiert abzuwenden. Wenn Aktivismus also fernab von jugendlichem Aufbegehren gedacht werden soll, müssen wir eine langfristige Perspektive einnehmen.
Dazu sollte bedacht werden, wie man sich selbst gesund hält und an und mit den psychischen Herausforderungen wächst. Da es uns unterstützt, unsere politischen Kämpfe über viele Jahre führen zu können, ist ein rücksichtsvoller Umgang mit uns selbst und anderen direkt an unsere Ziele geknüpft. Die Bewahrung (psychischer) Gesundheit ist also nicht auch wichtig, sondern ein Fundament, das Kampagnen, Aktionen etc. trägt.
Timo Luthmann spricht in diesem Zusammenhang von ‘Nachhaltigem Aktivismus‘. Sein Ansatz ist stark in das Gespräch mit Julia eingeflossen und ich hoffe, damit zum Nachdenken und zur Selbstreflektion anregen zu können.

Allgemeine Anlaufstellen falls dir nicht gut geht:

Zum Weiterlesen:


Mental Health Awareness Week Vienna (18.05. – 22.05.2020)

HA009 Aktivismus: Zwischen Stress und Lebenssinn

Mit der Filmemacherin Martina Trepczyk spreche ich über ihre Biografie, ihre (politische) Arbeit im Filmbusiness, und die persönlichen Auswirkungen eines langfristigen und intensiven politischen Engagements.

Martinas Berichte über ihre Arbeit zeigen, wie vielseitig Aktivismus sein kann. Außerdem kommen wir im Gespräch darauf, welche Folgen ein unermüdlicher Einsatz für die psychische Gesundheit haben kann.
Im Gespräch geht Martina äußerst offen mit ihren persönlichen Erfahrungen zu diesen Themenaspekten um. Aus diesem Grund möchte ich hier eine

TRIGGERWARNUNG

für diejenigen aussprechen, die selbst mit Depressionen, Burnout und Eco-anxiety etc. kämpfen. Es mag ratsam sein, wenn du dich nicht ausreichend psychisch und emotional stabil fühlst, das Interview bei der Kapitelmarke ‘Die psychischen Belastungen ihrer (aktivistischen) Arbeit’ (Zeitmarker 00:39:02) zu beenden.

Die Veröffentlichung dieses Gesprächs liegt mehr persönlich sehr am Herzen, da ich denke, dass die hier verhandelte Problematik viele Aktivist*innen betrifft und gefährdet. Dies mag mit Empathie zusammenhängen. Sie scheint eine wichtige Rolle für aktivistische Arbeit zu spielen: Empathie motiviert, spornt an und setzt damit Energie für politisches Handeln frei. Gleichzeitig sind empathische Menschen auch in größerem Maße empfindsam und verletzlich gegenüber den Ungerechtigkeiten in dieser Welt, welche schnell einen unermüdlichen Arbeitseinsatz für Veränderung nach sich ziehen. Hierdurch drohen Mental Health-Gefahren, wie Depression oder Burnout.
Unsere politischen Kämpfe können aber nur erfolgreich sein, wenn wir sie langfristig austragen können. Dazu müssen wir anerkennen, dass wir auch uns selbst schonen müssen, um nicht auszubrennen und auf der Strecke zu bleiben. In diesem Kontext gilt es, auch eigene Maßstäbe an sich und andere kritisch zu hinterfragen. Die gesamte Problematik kann ich in diesem einen Beitrag freilich nicht vollumfassend behandeln. Ich sehe dieses Gespräch daher als kleinen Anstoß zum nachdenken. Wer tiefer in das Thema eintauchen möchte, wird bspw. in dem unten empfohlenen Buch von Timo Luthmann fündig.

Links und Empfehlungen: